*******************************
Weimar-Fahrt 11.-14. April 2025
*******************************
10.04.2025
Dietlind Stürz
Rebecca Horn (1944 – 2024)
Im letzten Kriegsjahr, 1944, wurde Rebecca Horn in Michelstadt in eine Textil-Fabrikantenfamilie hineingeboren. Sie wurde DIE Avantgarde-künstlerin Deutschlands, und war, obendrein: eine Hessin. Der Referentin des Tages, der Gießener Kunsthistorikerin Dietlind Stürz, war bislang – wie den meisten im Publikum – Rebecca Horn eher punktuell bekannt gewesen, und so war es sehr spannend, sich nun gemeinsam mit ihrem Wirken vertraut zu machen.
Primär war Rebecca Horn Bildhauerin. Ihre Begabung reichte weit darüber hinaus: Sie verfasste Zeichnungen, poetische Texte, Filme (die zum Teil auf youtube zu finden sind), Drehbücher und vor allem Installationen, kinetische Objekte, die in Interaktion mit ihren Betrachtern stehen, Performances. Wiederkehrende Themen: Räume und Grenzen ausloten, Emotionen wie Liebe und Begehren, aber auch Angst und Beklemmung. Zunächst sollte sie die Firma weiterführen. Sie brach jedoch ihr VWL-Studium nach kurzer Zeit ab, schrieb sich an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste ein und studierte dort von 1964-1969. Die „Arm-Extension“ (Dimension Raum-Mensch) war ihr erstes bekanntes Werk (1968). Während ihres Studiums arbeitete sie mit Polyesterharz, erlitt eine Lungenvergiftung und war lange im Krankenhaus und in einem Sanatorium. Danach verwendete sie nur noch leichtere organische Materialien wie Baumwolle, Bandagen und Federn. Isolation und körperliche Begrenzung drücken sich immer wieder in ihren nachfolgenden Werken aus.
1969 erhielt sie ein Stipendium in London. 1970 dann ihre Installation „Weizenfeld“ (ein 1-Meter langes Horn, auf einem Kopf und am Körper befestigt), die ihren künstlerischen Durchbruch bedeutete. Hörner blieben erstmal ihr Thema. 1972 dann die bekannte „Bleistiftmaschine“, und andere Darstellungen folgten, die an den Schweizer Künstler Tinguely erinnern. Rebecca Horn wurde zu einer der treibenden Kräfte der Performances der 1970er Jahre. Im Jahr 1972 ihr erstes Exponat in der Documenta 5. Weitere sollten folgen. Im selben Jahr ging sie für 10 Jahre nach New York, arbeitete in ihrem dortigen Atelier in SoHo (Manhattan) und stellte vielfältig aus. Ihrer Heimat blieb sie auch in dieser Zeit verbunden.
1982 schuf sie die „Pfauenmaschine“ – Mechanik war das zentrale Momentum ihrer Werke, sie zog sie der menschengemachten Kunst vor. Hier eine Auswahl: Werke wie „Der Kuss des Rhinozerus“ folgten, und in den 1990er Jahren vierzig Meter lange gläserne Aschewände hinter aufgetürmten alten Koffern, Mandolinen, Geigen und Gitarren – eine Installation im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald. Später dann Arrangements mit mechanisch spielenden Musikinstrumenten, die vom Himmel stürzen (in Videos mit dissonanten und ohrenbetäubenden Klängen verbunden). Auch bekannt ihre Rauminstallation „Die drei Grazien“ in den Lichtkuppeln des Bundesratsgebäudes, der „Schildkrötenseufzerbaum“ und im Wiesbadener Landesmuseum die Spiegelinstallation „Jupiter im Oktogon“. (Das Landesmuseum verfügt über 60 Dauerleihgaben.) Und später, in den 2000er Jahren, pain paintings…
Rebecca Horn war Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Sie wurde 1992 als erste Frau Trägerin des Kaiserrings der Stadt Goslar – die Liste ihrer Preise und Auszeichnungen ist lang, dazu gehört auch das Bundesverdienstkreuz (1992). 1993 war sie die erste Frau, die im New Yorker Guggenheim Museum ausstellte – auch hier ist die Liste umfangreich. Nicht zu vergessen ihre Filmografie…
Wenig wissen wir über die Frau und Künstlerin Rebecca Horn persönlich. Sie verkaufte später ihr Erbe, die Fabrik, so dass sie finanziell unabhängig war und blieb. 2007 gründete sie die Moontower Foundation mit Sitz in Bad König – damit baute sie die frühere Fabrik ihrer Familie in ein Kunstzentrum um. 2015 erlitt sie einen Schlaganfall. Eine ihrer letzten Ausstellungen 2017 der „Hauchkörper als Lebenszyklus“. Eines der Exponate: In einem Bronze-Abdruck ihrer Schuhe bewegen sich taumelnd zwei meterhohe filigrane Messingstäbe, ohne von der Stelle zu kommen.
Rebecca Horn schloss im September 2024, im Alter von 80 Jahren, in Bad König für immer ihre Augen. Wer sich mit ihren Werken vertraut machen möchte, findet viele Links im Netz, und real dann im Landesmuseum Wiesbaden die Ausstellungsstücke. Dietlind Stürz hat uns in ihrem einführenden Vortrag alle neugierig gemacht! (bt)
*******************************
03.04.2025
Die Halbtagsfahrt zur Biogasanlage wurde von den Stadtwerken wegen zu geringer Teilnehmerzahl abgesagt.
Das ist sehr ärgerlich, zumal wir uns vorher 2 x in Erinnerung bringen mussten, um eine endgültige Bestätigung zu erhalten. Schade.
*******************************
27.03.2025
Dr. Sabine Hock
Ein Leben in den Rollen des Rokkoko. Zum 275. Geburtstag von Cornelia Goethe, verh. Schlosser
Cornelia Friederica Christiana. Am 7.12.1750 wurde sie in eine gutbürgerliche Familie im gehobenen Frankfurter Bürgertum geboren. Die Mutter, Catharina Elisabeth, eine geborene Textor, war jung, impulsiv, lebenslustig und teilte mit ihrer Tochter die Liebe zur Musik. Der Vater, Johann Caspar, war promovierter Jurist und Kaiserlicher Rat und ein konsequenter und strenger Pädagoge, vor allem was die schulische Bildung betraf. Er liebte „sein Cornelgen“ und verwöhnte sie.
Ihr Bruder Johann Wolfgang war 15 Monate älter. Vier Geschwisterchen sollten nach Cornelia noch folgen, aber sie alle starben früh. Für Cornelia und Wolfgang stand auf Betreiben des Vaters Bildung an erster Stelle der Erziehung. Mit drei Jahren kam Cornelia in die „Spielschule“ von Magdalena Hoff und lernte Lesen und Schreiben, danach war sie am Rohlandschen Erziehungsinstitut. Ab ihrem 7. Lebensjahr wurde sie mit Bruder Wolfgang gemeinsam privat unterrichtet – der Fächerkanon ging von Sprachen, Recht, Geographie, Mathematik über Schönschreiben bis zum Gesangs- und Klavierunterricht und Tanz. Fechten, Reiten, Anstandslehre … Im Haus verkehrten Künstler, sogar ein Atelier wurde dort eingerichtet. Ein ungewöhnlich solides Fundament war für Cornelias künftiges Leben gelegt, eigentlich ideal für eine akademische Zukunft – die es aber in jener Zeit für Frauen nicht gab.
So blieb Cornelia, als ihr Bruder Johann Wolfgang 1765 nach Leipzig studieren ging, in Frankfurt zu Hause. Unter dem Zwang des Vaters zum Lernen hatte sie eher gelitten. Diese Zeit war nun vorbei. Sie spielte hervorragend Klavier, bekam sogar von ihrem Vater ein eigenes Instrument, übte 2-3 Stunden täglich und gab hausinterne Konzerte. Doch wie weiter? Der briefliche Kontakt mit ihrem Bruder, der ihr zunächst noch versprochen hatte, sie nach Leipzig nachzuholen, wurde spärlicher. Aus Lob und Anerkennung des Bruders (er verglich sie mit Riccoboni), den sie u.a. zum Götz von Berlichingen mit inspirierte, wurden zunehmend Kritteleien an ihren Briefen (die er später verbrannte) und schulmeisterliche Belehrungen, sie solle lieber Haushaltung und Kochkunst studieren und müsse lernen zu gefallen. So blieb ihr nur ihre Korrespondenz mit ihrer Freundin Katharina Fabricius, die in französischer Sprache erfolgte und überliefert ist. Ihr war klar, dass sie „nicht immer Mädchen“ bleiben konnte, und verlobte sich mit Wolfgangs Freund Johann Georg Schlosser. Hochzeit am 1.11.1773. Zunächst durchaus glücklich, wurde ihr das Eheleben in Karlsruhe und später Emmendingen zunehmend zur Qual (Schlosser zu Goethe: „Ihr ekelt vor meiner Liebe“). Ehemann Schlosser sah Frauen als untergeordnete Wesen mit klaren gesellschaftlichen Verpflichtungen. Cornelia fühlte sich von diesen Erwartungen erdrückt, verlor ihr Interesse am Haushalten, wurde kränklich. Vom Bruder, der sie nach ihrer Eheschließung fallen gelassen hatte, wurde sie als „völlig unsinnlich“, unschön und als Äbtissin in einem Kloster als besser aufgehoben bezeichnet. 1773 wurde sie schwanger. Sie litt extrem unter dieser Schwangerschaft, gebar am 28.10.1774 Tochter Maria Anne Louise („Lulu“) und war die beiden darauffolgenden Jahre, schwerst depressiv, ans Bett gefesselt. Dennoch eine zweite Schwangerschaft im Jahr 1776. Die Geburt von Töchterchen Catharina Elisabeth Julie („Juliette“) überlebte sie nur vier Wochen. Cornelia Schlosser starb am 8.6.1777. Sie wurde nur 26 Jahre alt.
Fast schaudert es mich. Wie anders hätte ihr Leben verlaufen können, hätte sie heute gelebt. Eine begabte gebildete junge Frau … sie hätte studieren können, sich vielleicht für eine Karriere ohne Mann und Kinder entschieden, ein unabhängiges und freies Leben geführt, dem überheblichen Vater und Bruder getrotzt. Das war nicht möglich damals. Und das ist es für viele Frauen in dieser Welt noch immer nicht. Dank an die Referentin, die freie Autorin und Journalistin Sabine Hock, für ihren informativen und kritischen Vortrag. (bt)
*******************************
20.03.2025
Halbtagsfahrt zum Keltenkeller Biebertal
*******************************
13.03.2025
Gabriele Clement
Frauen und Autos – Pionierinnen der Automobilgeschichte
Leider muss auch dieser Vortrag wegen kurzfristiger Erkrankung der Referentin ausfallen!
Nur wenige Besucher erschienen im Alten Schloss – die kurzfristige Information durch die beiden Tageszeitungen, E-Mails an über 100 Mitglieder und persönliche gegenseitige Telefonate hat nahezu perfekt funktioniert.
Als Alternative wurde – bei freiem Eintritt – eine Dokumentation des NDR aus der Mediathek gezeigt, die sich genau mit diesem Thema beschäftigte. Natürlich ist das nicht zu vergleichen mit einem Live-Vortrag, aber die ca. 12 Besucher, davon 5-6 Gäste waren es zufrieden.
*******************************
6. März 2025
Mario Becker
Starke Frauen in der Antike
„It’s raining men“ ist ein Lied der Weather Girls aus dem Jahr 1982. Fast konnte man schon sagen: „It’s raining women“, im Netanya Saal, vierzig Jahre später. Doch die Frauen, über die Mario Becker, Dozent für Archäologie und Alte Geschichte, referierte, lebten schon lange vor Christus, und sie waren nicht die Projektion romantischer Sehnsüchte wie die herabregnenden Männer im Lied, sondern gestandene, gebildete, teils reiche und auch einflussreiche Frauen.
Beginnen wir mit der Venus von Willendorf, eine rund 11 cm große, 26.000-27.000 Jahre alte Venusfigurine aus der Wachau, kein Schönheitsideal, vielmehr eine Vielgebärende mit reichlich Bauch Beine Po. Über 200 solcher Frauenidole aus Kalkstein, Speckstein, Elfenbein und Ton wurden bisher in Europa gefunden. Sie wurden oft in Verbindung mit (Raub-)Katzen dargestellt und waren von reichhaltigen und vielfältigen Grabbeigaben umgeben, auch hochwertigem Schmuck. Aus der gleichen Zeit stammt die Venus von Dolni Vestonitz (Slowakei). Und da war das Mädchen von Egtved (um 1370 v.Chr.), die „Urdänin“, sie lag in einem Baumsarg und trug eine bauchfreie Tunika mit Bronzescheibe unter dem Bauchnabel. Allerdings kam sie, wie spätere Analysen ergaben, aus dem Schwarzwald und verstarb noch sehr jung.
Frauen der Antike sind vor allem als Skulpturen überliefert, oft als Mater Matuta (die „morgendliche Mutter“), in der römischen Mythologie die Göttin des Frühlichts, der Geburt und des Wachstums. Die etruskischen Frauen müssen, so betont Becker wiederholt, sehr selbstbewusst gewesen sein und ihre Rolle in der Gesellschaft war vielleicht gleichberechtigt, wie beispielsweise der Sarkopharg von Tanchvil Tharnai und Larth Tetnis aus der Zeit ca 300 v. Chr. zeigt. Das etruskische Ehepaar liegt nackt, sich liebevoll umarmend, unter einer Art Betttuch – so sind sie vereint auch im Tod. Die Stellung der Frauen, die Ebenbürtigkeit der Geschlechter, übernahmen die Römer jedoch nicht von den Etruskern. Bei ihnen gehörte die Frau in den Haushalt.
400 v.Chr. fand man die iberische Skulptur Dama de Baza, 1,34 m groß, vielleicht eine Kriegerin oder Stammesfürstin, mit Waffen als Grabbeilage. Die Prinzessin von Vix aus Chatillon-sur-Seine wiederum wurde in einem Grabschacht aus dem 5. Jahrhundert vor Christus gefunden, der innen reich verziert war. Sie trug eine Halskette aus 500 g reinem Gold – neben ihr stand ein großes Metallgefäß mit fast 1.000 Litern Fassungsvermögen. Auch sie war eine Frau von hervorgehobener Stellung.
Zählen wir wie Becker Grabsteine von Athener Frauen auf: von Mnesare, Hegeso, Ampharete, der Philosophin Aspasia von Milet, Phryne (u.a. Anführerin eines Flottenkontingents), Olympias (Mutter von Alexander dem Großen), Fulvia (eine der politisch einflussreichsten Frauen der späten Römischen Republik und Frau von Marcus Antonius), Kleopatra, Octavia minor (auch eine Frau von Marcus Antonius und die Schwester von Kaiser Augustus), Agrippina (eine Giftmischerin und Neros „fürchterliche Mutter“). Und dann sind da noch die Dame von Wehringen (Simpelveld), wahrscheinlich eine Schriftgelehrte, die Keltenkönigin Boudicca, aufständisch gegen die Römer um 60 n.Chr., und last but not least Hypatia, eine griechische spätantike Mathematikerin, Astronomin und Philosophin, hochbegabt und akademisch in den Fußstapfen ihres Vaters Theon von Alexandria. Sie war dem Partiarchen Kyrill von Alexandria ein Dorn im Auge, er ließ sie 415 n. Chr. von einem aufgebrachten Mob steinigen und zerstückeln.
Yes, it was raining women am 6. März … und Beweise dafür, dass es sie schon immer gab, die starken Frauen, auch wenn Geschichtsschreiber sie/uns immer wieder marginalisieren und ignorieren. Ein inspirierender, motivierender und unterhaltsamer Vortrag, danke Mario Becker! (bt)
*******************************
27.02.2025
Mitgliederversammlung 2025

Sollten wir uns T-Shirts so bedruckend lassen für unsere Jubiläumsfeier?
Ein gelungener Schnappschuss von Frau Bausch, sie hat den Blick für außergewöhnliche Motive
*******************************
20.02.2025
Tagesfahrt nach Mannheim
Der Tag fing so gut an – alle waren pünktlich, der Busfahrer Peter in der üblichen guten Laune, alle Teilnehmerinnen waren mit einem sehr umfangreichen Infoblatt versorgt und deutlich auf die Tücken des Mannheimers Straßensystems hingewiesen worden. An der Orientierung scheiterte es nicht, aber … dazu später mehr.
Die erste Station war die Kunsthalle Mannheim mit der Jahrhundert-Ausstellung „Neue Sachlichkeit“. Vor 100 Jahren wurde in Mannheim eine Ausstellung mit neuer Kunst konzipiert. In dieser Ausstellung war keine einzige Künstlerin vertreten, obwohl deren Schaffen in den 1910er- bis 1930er-Jahren ebenfalls als wesentlicher Beitrag zur neusachlichen Malerei gewertet werden muss. Allen voran Kate Diehn-Bitt, Lotte Laserstein, Jeanne Mammen und Anita Rée.
Der Begriff „Neue Sachlichkeit“ ist „… zum Synonym für den kulturellen Aufbruch der 1920er-Jahre geworden – und für die in Kunst, Architektur und Literatur zu beobachtende Rationalität und sachliche Präzision, die als Reaktion auf die großen politischen und sozialen Umwälzungen dieses Jahrzehnts gelten kann“ (Ankündigungstext zur Ausstellung).
Frau Dietlind Stürz, die im Herbst das gleichnamige Seminar bei uns gehalten hatte, fasste die wesentlichen Gesichtspunkte auf der Busfahrt zusammen.
Die ausgezeichnete Führung und die klare Gliederung der Ausstellung halfen bei der Übersicht über die vielfältigen Künstler und Werke. Die Abkehr von Expressionismus und Abstraktion war deutlich in Motiven und Darstellungsweisen – Grosz, Beckmann, Schad, Otto Dix – um nur die Bekanntesten zu nennen.
Viel Zeit zum individuellen Rundgang blieb nicht und die Lokale für die Mittagspause waren alle völlig überfüllt – 6 Damen bekamen Ihre Pizza im Karton, zur Entschädigung mussten sie nichts bezahlen!
Ein Teil der Damen hatte sich für ein individuelles Nachmittagsprogramm entschieden, für die Fotoausstellung „Sachlich. Neu“ im Peter und Edeltraut Engelhorn-Museum dagegen hatten sich 15 Damen angemeldet. Und dann kam das große Drama: der Transfer zwischen den beiden Museen sollte per Bus erfolgen. In den engen Straßen mit wild parkenden Autos hatte sich unser Bus beinahe festgefahren. Ganz großes Lob für unseren Peter. Aber er weigerte sich, noch einen Versuch zu wagen, parkte stattdessen am weitläufigen Schloss. In den Genuss der Ausstellung kamen nur 6 „schnelle“ Damen, unsere Führung war verloren – nur 15 Minuten hatten wir noch gut und konnten uns die wirklich tollen Fotografien ansehen.
Am vereinbarten Treffpunkt konnten wir alle einsammeln, zum Schloß geleiten und vollzählig die Heimfahrt antreten. Stress pur, aber noch gut zu Ende gegangen!
(bs)
*******************************
13.02.2025 Ulrike Kuschel
Künstlerpaare:
Skurriles Paar der Fotokunst: Anna und Bernhard Blume
Wegen Erkrankung der Referentin ist der Vortrag leider entfallen.
*******************************
06.02.2025
Cara Kotthaus
Frauen im Mittelalter –
Rechte, Stand, große Persönlichkeiten.
Die Referentin, Frau Cara Kotthaus, und ihr Vortrag waren ein sehr guter Ersatz, keine Notlösung für den krankheitsbedingten Ausfall.
Frau Kotthaus ist Archäologin und arbeitet für die SPAU GmbH in Münzeburg, deren Kerngeschäft bei der Begleitung, Auswertung und Dokumentationen von Ausgrabungen ist. In aller Regel geht es dabei um Baumaßnahmen, die mit Erdarbeiten verbunden sind und mit der Bodendenkmalpflege abgestimmt werden.
Die Sparte „Tourismus“ ist gerade im Aufbau und nutzt das vorhandene Know-How für Angebote an Vorträgen, Führungen und Fortbildung. Münzeburg, der Firmensitz, steht dabei durchaus im Mittelpunkt.
„Münzeburg“ kommt nicht von irgendwelchen Münz- und Prägerechten sondern tatsächlich von der dort wuchernden Minze auf der Erhebung in der Wetterau. Der Staufer Barbarossa konkurrierte mit den Welfen aus dem angrenzenden Hanau. Zur Stabilisierung bon Barbarossas Machtbereich konnte Kuno I. – mit kaiserlicher Bestätigung – vor 1156 die Burg Münzenberg errichten.
Die rechtliche Lage der Frau im Mittelalter war durchaus nicht einheitlich, insbesondere ergaben sich durch die „Verstädterung“ starke Veränderungen in der Gesellschaft. Zu den bisherigen Ständen Adel, Klerus und Bauern kamen die Handwerker. Frau Kotthaus beleuchtete näher, was sich bei den „Frauenrechten“ hinsichtlich Besitztum, Erbrecht, Scheidungsrecht und Selbstbestimmung veränderte. Generell waren Frauen aber – je nach Stand mehr oder weniger – unmündig und wurden von dem nächsten männlichen Verwandten „verwaltet“. Obwohl die Führung des Hausstands, der Mithilfe im Geschäft, Kindererziehung und die Erhaltung von Sozialkontakten einen großen der Teil Überlebensmöglichkeit stellte, wurde ihr Wert sehr gering eingeschätzt. Die Diskriminierungen gegenüber Männern in der gleichen Lage waren eindeutig.
Vieles gäbe es dazu noch zu erzählen, auch über 4 beeindruckende Frauen. Die größte Machtposition konnte Beatrix von Burgund, Gemahlin von Barbarossa, erreichen:
Königin von Burgund und Kaiserin des römisch-deutschen Reiches.
Aufgrund der Fachkundigkeit und der Qualität des frei gehaltenen Vortrags war der Applaus ausgiebig. (bs)
*******************************
30.01.2025
Jutta Banken
Märchen und Sagen aus Oberhessen
Die Gebrüder Grimm sind die wohl bekanntesten Märchen-Sammler. Sie haben Geschichten aus dem Volk zusammengetragen, die lange Zeit nur mündlich überliefert wurden. Der Vortrag von Frau Banken beschränkte sich auf die regionalen Märchen und Sagen aus dem Vogelsberg und Umgebung.
Im Zentrum stand die Frage: Warum heißt der Vogelsberg eigentlich Vogelsberg? Die Antwort lieferte ein Märchen von einem Schmied und seiner Frau, deren Lebensverhältnisse trotz aller Müh‘ und Arbeit immer schlechter wurden. Er ging schließlich in die Stadt, wo er dem Teufel seine Seele gegen 3 Jahre Wohlstand verkaufte.
Und warum jetzt „Vogelsberg“? Nach den 3 Jahren erschien der Teufel. Auf den Rat einer geheimnisvollen alten Frau stellte der Schmied aber noch die Bedingung, dass der Teufel drei Fragen richtig beantworten müsste. Hochnäsig lachend ging der Teufel darauf ein, versagte bei Frage 1 und 2 und auch auf bei Frage 3:
Wie heißt der Vogel, der in dem Apfelbaum auf dem Berg sitzt? Der Teufel mühte sich vergeblich, denn auf dem Baum saß die Frau des Schmieds, die sich erst im Salzkuchenteig und dann in den Daunen der Federkissen gewälzt hatte. Und jetzt wissen wir es.
Viele Weitere Geschichten wurden kurz angesprochen, über Werwölfe, natürlich den Teufel und unruhige Seelen, die als Geister durch die Dörfer gezogen.
Es war vor allem die typische Märchensprache, die die Zuhörer in Bann schlug. Vergangene Zeiten, in denen in Bauernfamilien während der Winterzeit die alten Geschichten erzählt wurden im schwachen Licht bei den typischen Winterarbeiten. Vorbei, aber für einen kurzen Augenblick wieder erweckt durch den lebhaften Vortrag. (bs)
*******************************
21.01.2025
Tagesfahrt nach Frankfurt am Main
Von Edlen Herrschaften bis zu Bösen Buben

Den Auftakt der Tagesfahrt nach Frankfurt bildete die Ausstellung „Rembrandts Amsterdam. Goldene Zeiten?“.
Wer eine Ausstellung von Rembrandt-Gemälden wartet hatte, musste natürlich enttäuscht sein, aber wie der Titel schon sagt, geht es um Gemälde diverser Künstler aus dieser Zeit, und die war nur für bestimmte Bürger der Stadt Amsterdam wirklich golden.
Zum geschichtlichen Hintergrund:
Die sieben nördlichen Provinzen der Niederlande, die die spanische Herrschaft in einem Achtzigjährigen Krieg, dem Spanischen Erbfolgekrieg (1568–1648) abschütteln konnten, schlossen sich zur Republik der Vereinigten Provinzen zusammen.
Damit verbunden war auch die Aufhebung des spanischen Katholizismus hin zum Calvinismus, die Reformation und damit weitgehend Religionsfreiheit. Dies zog viele Menschen in die Städte – mehrfach in relativ kurzer Zeit gab es Stadterweiterungen, mit allen damit zusammen- hängenden Problemen der Enge, des Mangels, der Kriminalität und der politischen Differenzen.
Großformatige Gruppenporträts prägten die Ausstellung im Städel, aber auch kleinere Zeichnungen und Skizzen in einem separaten Raum waren ausgestellt. Allerdings reichte die Zeit kaum, sich damit näher zu beschäftigen.
Dargestellt waren überwiegend reiche „Gutmenschen“, die im Ehrenamt tätig waren, in Zünften, Schützengilden, Armen-, Waisen- und Zuchthäusern. Die Anmerkung der versierten Kunst-Begleiterin sollte man bedenken: es ging hier oft nur um ein Sprungbrett in die bessere Gesellschaft, um Netzwerke zur Karriereförderung.
Die Schützengilden waren eminent wichtig für die innere Sicherheit (Bürgerwehr) aber auch die äußere Sicherheit der im Seehandel tätigen Republik. Die Mitglieder mussten ihre Rüstungen und Waffen selbst finanzieren, das war nur etwas für wirklich gut Betuchte.

Piraterie war ein großes Problem – dargestellt ist hier der berühmteste und erfolgreichsteenglische Pirat Bartholomew Roberts, der sich gerne gut gekleidet zeigte …..

… und hier sein Skelett, er wurde schließlich gefasst und hingerichtet.
„Die Osteologie-Vorlesung des Dr. Sebastiaen Egbertsz“
Nicolaes Eliasz Pickenoy oder Werner van den Valckert (1619)
Nach der Mittagspause holte uns der Bus ab, da wir eine größere Distanz bis zur Adickesallee überwinden mussten, zum Gebäude der Kriminalpolizei Frankfurt, in dem sich im Keller in einem recht kleinen Raum das Kriminalmuseum befindet. Hier erwartete uns eine echte Kriminalkommissarin, die sonst im Team im Dezernat für Kinderpornografie arbeitet und der dieses Thema besonders am Herzen liegt.
Anhand von Gegenständen in Vitrinen aus der Lehrmittelsammlung der Kripo Frankfurt und in nachgestellten Situationen führte uns „Anna“ (der Nachname sei zu schwierig) durch die spektakulärsten Kriminalfälle seit den 50-er Jahren. Unzählige Uniformpuppen bildeten ein „Spalier“. Schwerpunkt war die Spurensuche, über die früheren Möglichkeiten wie Fingerabdrücke, Reifen- und Fußspuren, bis hin zu den Anfängen der Weichteilrekonstruktion bis zur DNA-Analyse.
Die erste Station war der Berufsgruppe „Schränker“ gewidmet bis zur modernen Variante „Banküberfall“. Eine unauffällige Freundesgruppe z.B. machte insgesamt 19 Überfälle nach dem Motto „vermummt reinstürmen, in die Decke schießen, Geld einstecken und mit schnellen Autos auf die Autobahn“.

Der Anführer, Herny Jäger, wurde später zu einer hohen Freiheitsstrafe verurteilt und schrieb im Knast ein Buch, für das auch Verleger gefunden wurde. Unter polizeilicher Überwachung konnte er sein Werk auf der Buchmesse präsentieren. Spätere Bücher waren weniger erfolgreich als sein Erstlingswerk.
Der Mord an der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt war eine Kette von Fehlern am Tatort – der Mord konnte nie aufgeklärt werden. Auf ihrer Kundenliste standen auch etliche Prominente aus Politik und Wirtschaft.
Zunächst hatten die Streifenbeamten wegen des Gestanks die Fenster geöffnet und damit die Raumtemperatur verändert – die genaue Bestimmung des Todeszeitpunkts war nicht mehr möglich.
Dann waren sehr viele Personen am Tatort und rauchten – Spuren an den Kippen in dem übervollen Aschenbecher konnten nicht mehr zugeordnet werden. Fingerspuren am Aschenbecher stammten von einem Mann, der das Zimmer aufräumen sollte.
Und dann hängte auch noch der Polizeipräsident seinen Hut an einen Kleiderhaken und löste damit eine aufwändige Suche nach dem Besitzer aus.
Viele Geschichten und Anekdoten wurden noch geboten, allein – der Bus wartete an einer Bushaltstelle an der vielbefahrenen Adickesallee. Pünktlichkeit war angesagt. Ein kleiner Aufreger zum Schluss: zwei Damen hatten am Städelmuseum gewartet. Vergeblich, kamen aber in Eigenregie unbeschadet nach Hause.
*******************************
16.01.2025 Jana Schreiber
Die Wiedemännin – Frauen und Heilkunde im frühneuzeitlichen Frankfurt
Jana Schreiber, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg, hat die Sozial- und Kulturgeschichte der Medizin vor allem in der Frühneuzeit als einen ihrer wissenschaftlichen Schwerpunkte. So stand sie offensichtlich voll im Thema, als sie dem Publikum in Alten Schloss Anna Margaretha Wiedemann vorstellte und die Zuhörerinnen in die medizinische Szenerie Frankfurts des 17. Jahrhunderts mitnahm.
Die Heilkunde war damals der sorgenden Hausmutter schon über die Jahrhunderte vertraut – wer sonst sollte sich der Kranken und der häuslichen Pflege annehmen in Zeiten, in denen professionelle Behandlung bei Krankheit und Leiden noch keine Selbstverständlichkeit war.
Inspiriert durch ein heilkundliches Buch aus den 1920er Jahren, das sie auf einem Flohmarkt gefunden hatte, machte sich Jana Schreiber auf Spurensuche. Dabei stieß sie auf den gut dokumentierten Fall der „Wiedemännin“, die in einem Umfeld agierte, in dem es einen bunten Strauß an Handelnden in den Feldern der Inneren Medizin, der Pharmazie und der Wundarznei gab, mit Tätigkeitsfeldern, die sich zum Teil überlappten. Hier gab es Barbiere, Bruch-/Steinschneider, akademische Ärzte, Apotheker, jüdische Ärzte, Hebammen, „Laien“ wie Scharfrichter, und Bader, mit jeweils spezialisierten Kompetenzen. Die städtische Obrigkeit regelte diese Tätigkeiten per Gesetz. Es gab Ausbildungsgänge wie zum Beispiel für die Barbiere und die Baderinnen und Bader. Die Barbierordnung von 1624 regelte die zweijährige Ausbildung, der sich acht Jahre Wanderzeit anschlossen. Doch auch die Ehefrauen, die oft als „Arbeitspaare“ mit ihren Partnern praktizierten, durften diese Tätigkeit ausüben, Witwen übernahmen das Handwerk ihres verstorbenen Mannes und auch Töchter durften einsteigen und waren folglich begehrte Partien auf dem Heiratsmarkt für auswärtige Berufskollegen, die so ein Ausübungsrecht in Frankfurt erwerben konnten.
In diesem Umfeld arbeitete Anna Margaretha Wiedemann. Sie war zunächst nach eigenen Angaben Dienstmagd bei einem berühmten Medicus, beantragte am 16.6.1670 beim Rat der Stadt Frankfurt die Zulassung als Barbierin und erhielt auch ohne Meisterstück die Zulassung. Die Lage in der Stadt war prekär, es gab eine große Einwanderungswelle, eine schwere Epidemie führte zu Bedarf an Heilkundigen, und – nicht zu vergessen – das 17. Jahrhundert war eine Epoche der Kriege mit hohem Versorgungsbedarf für Verletzte und Kriegsversehrte. Die Wiedemännin erwarb sich einen stabilen Patientenkreis, zu dem auch ärmere Frauen aus Sachsenhausen gehörten. Ihr Schwerpunkt war – ganz anders als die typische eher chirurgische Behandlungsweise der Barbiere, die oft extrem schmerzhaft war – Schmerzen zu lindern oder zu überwinden, Wunden zu heilen, Kräfte zu stärken. Sie hatte viele Befürworter in Frankfurt, Patienten, aber auch Personen im gesellschaftlichen und politischen Umfeld, und Zufriedenheitsabfragen fielen positiv aus. Sie überstand zwei Verbotsprozesse, als 1670 und 1671 zwei ihrer Patienten starben (ein ursächlicher Zusammenhang mit ihrer Behandlung konnte aber nicht hergestellt werden). Im Jahr 1676 gab es wieder Streitigkeiten, die nun in einem Berufsverbot und der Verbannung aus der Stadt endeten.
Deutlich machten die Ausführungen von Jana Schreiber aber auch, dass die Frauen sukzessive aus dem (medizinischen) Arbeitsmarkt der damaligen Zeit herausgedrängt wurden.
Die Geschichte der Anna Margaretha Wiedemann ist ein Einstieg in das Thema der Praxis von Heilkundlerinnen in der Konkurrenz mit männlichen Ärzten und Barbieren. Dazu gehören auch Fragen des Umgang mit Krankheiten und Epidemien, des Verhältnis zwischen Behandelnden und Patienten und Einflussfaktoren des sozialen Umfeldes in jener Zeit. Insbesondere spielt hier die Behandlung von Patientinnen eine Rolle. So hätte Jana Schreiber noch viel zu erzählen gehabt – vielleicht kommt sie nochmal wieder – dem Publikum wär’s sehr recht, denn es war ein erfrischender und interessanter Vortrag über einen nicht alltäglichen Themenbereich. (bt)
******************************
09.01.2025 Dr. Reinhard Kaufmann
Faszinierende Stätten islamischer Architektur –
von Samarkand bis Granada
Dieser Vortrag musste witterungsbedingt ausfallen und wird zu einem späteren Zeitpunkt erneut angeboten.