Rückblick

In unserer Chronik finden Sie Informationen zu unseren bisherigen Vorträgen und Fahrten des aktuellen Programms

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15.09. 2022
Suzanne Bohn
Edgar Degas (1834 -1917)
Der Wegbereiter der modernen Malerei

Degas erblickte das Licht der Welt am 19. Juli 1834 in einer großbürgerlichen Familie. Sein Vater, der Bankier Pierre Auguste Hyacinthe de Gas, ein äußerst kultivierter und kunstsinniger Mann, stand dem Sohn, als dieser sich für den Beruf des Malers entschied, als Berater und Mentor zur Seite. Obwohl Degas sich den Impressionisten anschloss und mit ihnen bei den Salons der Impressionisten, auch Salon des Indépendants (der Unabhängigen) genannt, ausstellte, war er mehr unabhängig denn Impressionist. Er beschrieb sich gern selber als klassischen Modernen und entwickelte einen absolut eigenen Stil, ging seine eigenen Wege. Als Mensch und als Künstler.

Suzanne Bohn führt durch eine der aufregendsten, turbulentesten Periode der Kunstgeschichte mit dem Bruch um 1860 mit der akademischen Lehre und ihrer propagierten Ästhetik, mit der vom Staat geförderten Historienmalerei, mit der beliebten Darstellung von mythologischen Helden, als sich eine Handvoll junger rebellischer Verrückter- darunter sogar vier Frauen!- sich anschicken, triviale Alltagsszenen des zeitgenössischen Frankreich auf die Leinwand zu bannen mit Prostituierten bei der Arbeit, Eisenbahnen und Bahnhöfen, Wäscherinnen und Büglerinnen, mit Betrunkenen im Cafés, Frauen bei der Körperpflege, schmutzigen müden Tänzerinnen beim Üben, jenseits des glamourösen Rahmens einer vollendeten Ballettvorführung: Da war Edgar Degas bahnbrechend mit seinem neuen Realismus, dem Pendant zum neu entstandenen, ebenso verpönten Naturalismus in der Literatur.  

Eine Biographie, ein Künstlerleben, wie man es sich eigentlich anders vorstellt, ein Spaziergang durch eine kontrastreiche Bildergalerie und eine schillernde Epoche: Ein interessanter Vortrag.

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08.09.2022
Führung durch den Botanischen Garten

Der Technische Leiter des Botanischen Gartens, Herr Holger Laake, führte eine erfreulich große Gruppe bei idealem Wetter und guter Laune durch die neuen Gewächshäuser und zu speziellen Pflanzen. Bei der Neugestaltung hatte der Denkmalschutz ein gehöriges Wort mitzureden.

Vieles hat sich verändert – ein neues Palmenhaus, das neue Victoriahaus mit dem Bassin für die Victoria-Seerose und passenden Begleitpflanzen sowie die Umgestaltung der alten Gewächshäuser. Der Garten und die Häuser sind weitgehend barrierefrei und so z.B. mit Automatik-Türen ausgestattet.

Die meisten Pflanzen mussten umgesetzt werden, es wird jetzt beobachtet, wie sie mit dem Standortwechsel und dem Pflanzstress zurecht kommen. Die beiden großen Palmen haben zur großen Freude neue Wedel ausgebildet.

Das große Palmenhaus wird über Sommer für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt, ab Oktober werden dort möglichst dicht an dicht die Nicht-Winterharten Exoten geschützt untergebracht. Wegen der drohenden Energieknappheit soll vor allem das alte Gewächshaus, eine wahre Energieschleuder, komplett geleert werden. Es herrscht aber durchaus Besorgnis bei dem Gedanken, dass bei extremem Energiemangel und Frost im Februarviele der alten und kaum wieder zu beschaffenden Pflanzen verloren gehen könnten.

Integriert wurde der alte Löwenbrunnen mit dem halbrunden „Fröscheteich“ an der bisherigen Stelle. Die Gazelle, das Reittier vieler Gießener Kinder, muss noch einen Platz finden, an dem die Unfallschutzmaßnahmen umgesetzt werden können – z.B. gepolsterte Fall-Schutz-Matten.

Es gab auch vieles Interessantes zur Geschichte des Gartens und zu einzelnen besonderen Pflanzen. Überraschend war z.B., dass es im Eingangsbereich einen männlichen und am anderen Ende einen weiblichen Gingkobaum gibt. Das Geschlecht ist nicht so einfach zu erkennen – erst nach etwa 40 (!!!) Jahren outet sich das Mädchen und produziert Nüsse. Alle Städte, die in den letzten 30 Jahren diesen attraktiven Baum gepflanzt haben, müssen sich also überraschen lassen. Manchem Weibchen droht der Kettensägentod, da die zerfahrenen, zertrampelten Früchte nach faulen Eiern riechen. Keine Angst, in Gießen droht dieses Ungemach nicht, dafür sorgt die Stadt und auch der Botanische Garten.

Vieles mehr gäbe es zu berichten. In Kürze, ab Oktober, geht der Garten in den Winterschlaf, aber im nächsten Jahr erwacht er in hoffentlich alter Frische und bietet allen Gießenern einen innerstädtischen Ort voller Ruhe und ständiger Veränderung. Dann gibt es auch wieder öffentliche Führungen – es lohnt sich!

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01.09.2022
Keine Veranstaltung
-wegen Studienreise – ein ausführlicher Bericht folgt noch.

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25.08.2022
Hartmut Miethe
Zwei Grünberger Jungs –
Theodor Koch und Carl Geist

Pfarrer i.R. Hartmut Miethe referiert über zwei „Grünberger Jungs“.  Das gemeinsame Aufwachsen in der kleinen Gemeinde begründete eine lebenslange Freundschaft zwischen Carl Friedrich Wilhelm Geist und Theodor Christian Koch, die beide über die Stadt hinaus Bekanntheit erlangten.

Carl Geist wurde zum Maler an der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe und an der Kunstakademie in Stuttgart ausgebildet. Er wendete sich von der akademischen Malerei ab und schuf impressionistische Werke. Der 1. Weltkrieg verursachte eine Rückkehr zu einer sehr düsteren akademischen Malerei. Sein Werk umfasst ca. 300 Gemälde und Zeichnungen.

Theodor Koch ergreift nach seinem Lehramtsstudium in Gießen die Gelegenheit, an einer Expedition nach Zentralbrasilien teilzunehmen. Diese Erfahrung wird prägend für seinen weiteren beruflichen Lebensweg als Südamerikaforscher und Wissenschaftler.

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18.08.2022
Hans Sarkowicz
Jacob von Grimmelshausen zum 400. Geburtstag

Vor 400 Jahren wurde der bedeutendste deutsche Barock-Autor Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen in Gelnhausen geboren.

Über seine ersten Lebensjahre ist wenig bekannt. Aber es gilt als sicher, dass er noch als Junge von Hanau aus in den Dreißigjährigen Krieg ziehen musste. Bis zum Friedensschluss blieb er Soldat. Danach wurde er im Badischen Verwalter von adligen Gütern, Burgvogt und schließlich Schultheiß der kleinen Stadt Renchen.

Unter Pseudonymen, die er aus den Buchstaben seines Namens bildete, schrieb er seine Romane, allen voran den „Simplicissimus Teutsch“ (1668/69). In seinen Büchern verarbeitete er auch seine Kriegserlebnisse. Sein Leben, dass er 1676 in Renchen beschloss, steckt voller Fragen und Rätseln.

Hans Sarkowicz, der mit Heiner Boehncke zusammen die große Grimmelshausen-Biografie geschrieben hat, wird in seinem Vortrag einige dieser Geheimnisse lüften und auf ein Werk hinweisen, das in seiner gesamten Breite ein Literaturwunder des 17. Jahrhunderts ist.

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21.07.2022
Dr. Reinhard Kaufmann
Backsteingotik des deutschen Ostseeraums

Ausgehend von den geologischen Rahmenbedingungen in Norddeutschland, die zur Entwicklung dieser Sonderform des gotischen Baustils geführt haben, behandelt der Vortrag zunächst die technischen Aspekte der Herstellung und die unterschiedlichen Arten der Vermauerung des Backsteins sowie die vielfältigen Formen des Baudekors. In einem weiteren zentralen Teil des Vortrags werden die Typen der gotischen Backsteinkirchen (chorlose Hallenkirchen, Basiliken, Hallenkirchen mit Chorumgang) wie auch die wichtigsten Profanbauten (Rathäuser, Patrizierhäuser, Stadttore) dargestellt.

Die textlichen Erläuterungen werden durch ein umfangreiches Bildmaterial veranschaulicht, das der Referent nicht nur an den repräsentativen Bauten der bedeutendsten Hansestädte (Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifsland) aufgenommen hat, sondern auch an kleineren „Dorfkirchen“ und den ehemaligen Zisterzienserklöstern Bad Doberan, Chorin und Lehnin.

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Ferien

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14.07.2022
Gabi Gareis-Stammler, Carmen Lange, Chris Sima
Mascha Kaléko, die jüdische Dichterin (Lesung)

Unsere erste Abendveranstaltung stieß auf ein überraschend großes Interesse, und es konnten einige Gäste begrüßt werden – trotz der sehr attraktiven Konkurrenz-veranstaltung von Cora Dietl und ihrer Theatertruppe.

Das lag sicher auch an dem besonderen Thema der Lesung „Mascha Kaléko – die jüdische Dichterin“ und an den drei Vortragenden, Frau Gabi Gareis-Stammler, Carmen Lange und Chris Sima, die mit leisen und lebhaften Tönen, ausgewählten heiter-ironischen und bedrückenden Texten die Zuhörenden dem Lebensweg der Dichterin Mascha Kaléko folgen ließen.

Gabi Gareis-Stammler, Carmen Lange, Chris Sima   
(Foto privat)

Kurze, passende Musikeinspielungen gaben Zeit zu Reflektion, zu eigenen Gedanken. Die großen Fotografien vervollständigten das Bild dieser außergewöhnlichen Dichterin und machten neugierig auf deren Werk.

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23.06.2022
Dr. Brigitte Reuter
Herkunft unbekannt – Provenienzforschung
Die Sammlung Huelsmann, Bielefeld

Woher kommen die Kunstwerke einer Sammlung und welche Geschichten haben sie erlebt? Aufgabe der Provenienzforschung ist es, die Herkunft von Kunstwerken und Kulturobjekten zu klären. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Auffindung von sogenanntem Raubgut, also Objekte, die ihren verfolgten Eigentümern in der NS-Zeit entwendet wurden.

Die Eheleute Huelsmann, renommierte Antiquitätenhändler im Hamburg der 30-er-Jahre, vermachten ihr gesamtes Vermögen der Stadt Bielefeld. Eigens für die umfangreiche Kunstgewerbesammlung (Silber- und Goldschmiedearbeiten, Fayence und Porzellan, Gemälde und Möbel) wurde 1995 das Museum Huelsmann eröffnet.

Der Vortrag von Frau Dr. Reuter stellt die spannendsten Objektgeschichten mit zahlreichen Abbildungen in den Mittelpunkt und geht der Frage nach, mit welchen Methoden die Provenienzforschung arbeitet und wie es danach weitergeht.

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02.06.2022
Uwe Koperlik
Patria libre – Leben am Kraterrand – Nicaragua

Seit 1986 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Gießen und San Juan del Sur in Nicaragua und ist auch nach 36 Jahren immer noch lebendig und aktiv.

Ganze 9.393 Kilometer ist San Juan del Sur von uns entfernt, aber der Förderverein der Städtepartnerschaft bezeichnet die Stadt in Mittelamerika als „unsere Nachbarn vom Pazifik“.  

Der 1. Vorsitzende des Fördervereins der Städtepartnerschaft (kurz „gipanic“), Herr Uwe Koperlik, berichtet in seinem Vortrag aus erster Hand über das „Leben am Kraterrand“, das sich um eine traumhaft schöne Bucht am Pazifik abspielt, das aber auch mit großen politischen und wirtschaftlichen Problemen behaftet ist. Auch auf die Lage der Frauen wird im Besonderen eingegangen.

Unter dem Motto „Solidarität, gestern, heute und morgen“ wurden in San Juan del Sur und Umgebung bisher 111 Projekte zur Förderung im Bereich Bildung, Gesundheit und Hygiene, Umweltschutz und Frauen realisiert – konkrete, praktische Hilfen statt nur offizieller Besuche von Honoratioren bestimmen die Arbeit der Vereinsmitglieder.

Die Homepage des Vereins bietet eine Fülle von Informationen und eignet sich bestens zur Vorbereitung für den Besuch des Vortrags und zum Nachlesen:   https://www.gipanic.de

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19.05.2022
Dietlind Stürz
Sophie Taeuber-Arp (1889 – 1943)

Sophie Taeuber ist eine Pionierin der Moderne und eine der vielseitigsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Sie malte, tanzte, stickte und baute und war darüber hinaus eine Protagonistin des Dadaismus.

Als Vertreterin einer abstrakt konstruktiven Kunstrichtung gilt sie lange als unselbständiges Anhängsel ihres Künstlergatten Hans Arp. Das gilt es unbedingt zu widerlegen.

Jüngste Ausstellungen in der Londoner Tate Gallery (2021) und im Museum of Modern Art, New York, (bis März 2022) bestätigen ihre Wertschätzung.

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05.05.2022
Dr. Ulrike Enke
Emil von Behring:
Impfstoffentwickler – Nobelpreisträger – Familienvater

Der Vortrag beleuchtet das Leben des Marburger Hygieneprofessors Emil von Behring (1854-1917), der 1890 einen Impfstoff gegen die gefürchtete Kinderkrankheit Diphtherie entwickelte und dafür mit dem erstmals vergebenen Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. Der reichhaltige Nachlass und die bis heute erhaltenen Familienbriefe ermöglichen nicht nur einen Einblick in das Werden des Wissenschaftlers, sondern auch in das private Leben des als schwierig geltenden Forschers:  Hier begegnet uns ein bislang unbekannter Behring – ein begeisterter Familienvater und liebevoller Ehemann, den die Referentin anhand der Briefdokumente vorstellt.

Die Medizinhistorikerin Dr. Ulrike Enke (Universität Marburg) zählt zu den weltweit anerkannten Behring-ExpertInnen. Sie hat den Nachlass des Marburger Forschers aufgearbeitet und online zugänglich gemacht und schreibt momentan eine wissenschaftliche Behring-Biographie, die 2022 erscheinen soll.  

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28.04.2022
Tagesfahrt nach Lorsch

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21.04.2022
Oda Peter
Kloster Lorsch. Vom Reichskloster Karls des Großen
zum UNESCO-Weltkulturerbe

Das Benediktinerkloster Lorsch in der Ebene zwischen Rhein und Odenwald nahe Worms war im frühen Mittelalter Geistes- und Kulturzentrum des Frankenreiches. Seine verkehrstechnisch begünstigte Lage machte das Kloster zu einem Eckpunkt karolingischer Herrschaftsorganisation.

Kloster Lorsch teilte seine Prominenz im 9. Jahrhundert östlich des Rheins mit St. Emmeram in Regensburg, westlich des Rheins mit St.-Denis, Aachen oder Metz.

Als Kultort am Grab des heiligen Nazarius bot Lorsch die notwendigen Garantien für das Totengedenken. Dies war eine ganz wesentliche Voraussetzung für die Lorsch zugewendeten Schenkungen, dokumentiert im Lorscher Codex, und, aus herrscherlicher Perspektive, eine ganz wichtige Voraussetzung für Lorsch als Ort einer dynastischen Grablege.

Seit 1991 ist das ehemalige Reichskloster UNESCO Weltkulturdenkmal und damit die älteste hessische Welterbestätte. Diese Auszeichnung erhielt Lorsch nicht nur aufgrund der historischen Bedeutung des karolingischen Klosters, sondern auch aufgrund der geistes- und kulturgeschichtlichen Bedeutung der Abtei mit ihrer ehemals bedeutenden Bibliothek und ihrem Skriptorium.

Der Vortrag beleuchtet die Geschichte des Klosters und geht auf kunsthistorisch bedeutende Werke wie die Lorscher Torhalle und das Lorscher Evangeliar ein.

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07.04.2022
Prof. Dr. Rudolf Bork
Umweltgeschichte Deutschlands, 2. Teil

Im zweiten Teil der Umweltgeschichte Deutschlands führt uns Prof. Bork von Theodor Lessings „Kampfschrift gegen die Geräusche unseres Lebens“ aus dem Jahr 1908 bis zum aktuellen Dieselskandal.

Zwei Weltkriege verheeren die Landschaft, Deutschland wird geteilt. Das „Wirtschaftswunder“ verursacht in beiden Staaten erhebliche Umweltbelastungen. Erste Gesetze werden erlassen, in Westdeutschland werden „Die Grünen“ gegründet. Derweil werden die Auswirkungen des Klimawandels deutlich.

Warum reagieren und agieren wir oftmals nicht oder falsch oder spät? Was ist zu tun?

Die neuesten, alles umwälzenden Ereignisse können zu diesem Zeitpunkt in dem Vortrag nicht erörtert werden, die Auswirkungen werden sich erst zeigen.

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21.03.2022  
Besuch der LEICA Erlebniswelt

Erwartungsvoll fuhren 18 Damen am 31. März 2022 mit PKW oder Bus (Linie 11 ab Johanneskirche) Richtung Wetzlar zum Besuch der Leica Welt.

LEICA Wetzlar, Hauptgebäude (Foto: Bausch)

Fachkundige Mitarbeiter führten die Besucherinnen in 2 Gruppen. Das Areal wurde vorgestellt und die Architektur erläutert. Die auf dem ehemaligen Spilburg Gelände  neu errichtete Firmenzentrale (die Bauform soll ein Fernglas und ein Objektiv darstellen) beherbergt neben Verwaltung, Akademie, Store, mietbarem Fotostudio und Kunden-Service auch ein Hotel und das Ernst-Leitz-Museum. Auch kleinere Unternehmen der optischen Branche haben sich auf dem Gelände angesiedelt.

Der Besuch beginnt mit der Leica Galerie. Die Dauerausstellung „36 aus 100“ umfasst 36 preisgekrönte Leica Fotografien aus den vergangenen 100 Jahren, z.B. das berühmte Bild von Che Guevara und Muhammad Alis Faust von Thomas Höpker, dessen Bilder z.Zt. im Ernst-Leitz-Museum gezeigt werden.

Einen Einblick in die über 100 jährige Leitz Geschichte geben die im Foyer aufgestellten Kamera Modelle, angefangen von der Ur-Leica von Oskar Barnack aus dem Jahre 1914 bis zu den heutigen digitalen Verkaufsschlagern. Die Fragen der Besucherinnen wurden ausführlich beantwortet.

Weiter ging es vorbei an einer „historischen Wand“, dem sogenannten Zeitstrahl (1849 bis heute) mit der Darstellung des Werdeganges der Firma Leitz/Leica (das Leica ist dem internationalen Geschäft geschuldet – LEItz CAmera) im Kontext historischer Ereignisse. Durch Panorama Fenster bekommt man einen Einblick in den Fertigungsbereich von Objektiven und Kameras.

Im Anschluss an die ausführliche Führung erholte man sich im Café Leitz bei Kaffee und Kuchen, einige Damen besuchen zusätzlich noch das interaktive Ernst-LeitzMuseum.

Anmerkung:

Aufsehen erregte die bunte Glaswand im Foyer. Nicht wie aus der Ferne vermutet, waren es bunte Folien, sondern spezielles Glas der Firma Derrix, Taunusstein, auch ein Ziel von Frau und Kultur.

LEICA-Welt, Foyer (Foto: Bausch)

Details unter Projekte und Referenzen von Derrix:
einfach anklicken. https://www.derix.com

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24.03.2022  
Dr. Christian Hoselmann
Hessen in der Eiszeit

Im Rahmen des Vortrags „Hessen in der Eiszeit“ steht insbesondere die geologische Periode des Quartärs, also die letzten 2,6 Millionen Jahre im Vordergrund. Dieser Zeitabschnitt ist von großem Interesse, da wir im Quartär leben und die Klimaentwicklung in der Vergangen-heit auch Rückschlüsse auf die Entwicklung in der Zukunft zulässt.

Charakteristisch sind in diesem Zeitraum wiederholte Klima-schwankungen mit warmzeitlichen Umweltbedingungen wie heute und kaltzeitliche Phasen, bei denen in Hessen ein Klima wie heute im nördlichen Sibirien oder in Alaska herrschten.

Für das Verständnis sind die Ursachen des Klimawandels von Bedeutung und welche Ablagerungen in Hessen typisch für die einzelnen Zeitabschnitte sind. Im Vortrag werden auch erste Ergebnisse einer jüngst fertig gestellten Forschungsbohrung im nördlichen Oberrheingraben vorgestellt.

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17.03.2022
Gerhard Kollmer
Die Wiener Ringstraße – städtebauliches Zeugnis einer glanzvollen Epoche
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Der Vortrag kreist nur am Rande um die städtebauliche Bedeutung dieser über zwei Kilometer langen Prachtstraße, sondern begreift sie als Sinnbild bzw. Inbegriff einer Epoche der Blüte und des Untergangs gleichermaßen und versucht ein kulturgeschichtliches Panorama der „Ringstraßenzeit“ zu entwerfen.

Dabei werden – in kurzen Zitaten – auch zeitgenössische Texte herangezogen, wie z.B. von Stefan Zweig, der in einer Ringstraßenvilla aufwuchs, aus „Die Welt von gestern“ oder Briefauszüge des jungen Hitler, der sich als arbeitsloser Flaneur an den Prachtbauten der Ringstraße nicht sattsehen konnte.

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03.03.2022  
Barbara Hohmann
Bertha v. Suttner ( 1843-1914)
– die Frau, die den Nobelpreis „erfand“

Wir leben in einer Zeit, in der an immer mehr Orten der Welt Konflikte wieder mit Gewalt ausgetragen werden statt mit Diplomatie. Da lohnt es sich etwas über das abenteuerliche Leben einer Frau zu erfahren, die am Ende des 19. Jahrhunderts die Menschheit überzeugen wollte, dass Frieden möglich ist! Ihr Roman „Die Waffen nieder“ erregte vor über 100 Jahren großes Aufsehen und ihre Aussage „Die Religion rechtfertigt nicht den Scheiterhaufen, der Vaterlandsbegriff nicht den Massenmord und die Wissenschaft nicht die Tierfolter“ ist heute wichtiger den je.

In der zweiten Hälfte ihres Lebens kämpfte Bertha v. Suttner unermüdlich für Frieden und Völkerverständigung. Sie brachte Alfred Nobel – den Erfinder des Dynamits – dazu, einen Preis zu stiften, der noch heute jährlich diejenigen auszeichnet, die für die Menschheit den größten Nutzen geleistet haben. Bertha v. Suttner erhielt im Jahre 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis.

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24.02.2022  
Jahreshauptversammlung 2022

Am 24.02.2022 konnte unsere Jahreshauptversammlung unter dem Motto „Von schwierigen Zeiten und hoffnungsvollen Plänen“ vor zahlreich erschienenen Mitgliedern abgehalten werden.

In ihrem Jahresbericht beschrieb die 1. Vorsitzende, Brigitte Sekula, zunächst die Schwierigkeiten des letzten Jahres. Alle für Januar bis Juni 2021 geplanten Vorträge und Fahrten mussten abgesagt und in das 2. Halbjahr verschoben werden. Von Juli bis Mitte November konnten dann 17 Vorträge realisiert werden, ebenso zwei Tagesfahrten und ein Sommerfest – bis die Infektionszahlen ab Mitte November 2021 erneute Absagen notwendig machten.

Die Teilnehmerzahl bei den Vorträgen im Netanya-Saal des Alten Schlosses war mit nur 40 Plätzen auf mehr als die Hälfte der üblichen Kapazität reduziert.  Mit nur 683 Besuchern im Halbjahr wurde die in den Vorjahren übliche Besucherzahl weit unterschritten.

Öffentlich konnte der Verein deshalb in 2021 auch nicht in Erscheinung treten, weshalb die üblichen Abgänge aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht durch Neuanmeldungen ausgeglichen wurden. Die Mitgliederzahl sank um 20 Personen gegenüber dem Vorjahr auf nunmehr 145 Vereinsmitglieder.

Trotz der erheblich geringeren Besucherzahl und somit sinkender Einnahmen aus den Veranstaltungen ist die finanzielle Situation des Vereins stabil, wie die Kassenführerin, Frau Roll, im ihrem Kassenbericht aufzeigen konnte.

Im Anschluss an die Berichte wurde der Vorstand einstimmig für das Geschäftsjahr 2021 entlastet. Die 1. und 2. Vorsitzende, Frau Sekula und Frau Bausch, erhielten als Dankeschön für die besonders mühselige Arbeit in 2021 einen bunten Tulpenstrauß.

Anschließend erläuterte Frau Sekula die Planungen für das 2. Halbjahr, die schon auf vollen Touren laufen – auch wenn die extremen Ereignisse wenig Mut dazu machen. Eine grundlegende Änderung steht schon fest:  pro Monat wird ein Vortrag am Abend von 19:30 bis 20:30 Uhr angeboten. Damit soll auch allen anderen Kulturinteressierten, die noch im Berufsleben eingebunden sind, die Möglichkeit eines Besuches ermöglicht werden.

Frau Sekula bedankte sich zum Schluss bei allen Mitgliedern für deren Treue und insbesondere bei den Mitgliedern des Vorstands für die Unterstützung im schwierigen Jahr 2021.

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17.02.2022 Dr. Matthias Recke
Von (Raub-)Gräbern und anderen Ausgrabungen
Neue Forschungen zum antiken Tamassos (Zypern)

Die Veranstaltung musste leider entfallen und wird nachgeholt.

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03.02.2022 Dr. Reinhard Kaufmann
Die Backsteingotik im deutschen Ostseeraum

Die Veranstaltung musste leider entfallen und wird nachgeholt.

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27.01.2022
Tagesfahrt nach Wiesbaden – nur für Mitglieder

Aufgrund der geringen Anmeldezahlen und der Entwicklung der Corona-Pandemie musste diese Fahrt leider abgesagt werden.

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20.01.2022  
Prof. Dr. Marita Metz-Becker
Im Widerspruch mit der Welt – das Leben der
Schriftstellerin Sophie Schubart-Mereau-Brentano

Der Vortrag widmet sich der Biographie Sophie Mereaus im Kontext der Zeit um 1800, in der ein neues Geschlechterverhältnis ausgehandelt wird. Frauen betreten zunehmend das öffentliche Parkett und beanspruchen ihre Teilhabe an den männlich kontrollierten Institutionen der Künste und Wissenschaften.

Sophie Mereau wird zu einer Person des öffentlichen Lebens, publiziert unter eigenem Namen und entwickelt aufsehenerregende Modelle weiblicher Autonomie bis hin zum Postulat der „Freien Liebe“.

Auch in ihrer problematischen Ehe mit Clemens Brentano lässt sie sich nicht entmutigen, sondern erfährt in ihrer professionellen literarischen Arbeit die notwendige Stabilisierung und Selbstvergewisserung. 

16.09.2021
Prof. Klaus Dieter Böhm
„Natürliche Intelligenz –
oder wie tickt das menschliche Gehirn“

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die natürliche Intelligenz und die Frage, wie unser Gehirn es schafft, so viele Dinge parallel zu erledigen. Alle unsere Sinne müssen zusammenarbeiten, um überhaupt „den kleinen Finger krumm zu machen“, geschweige denn komplexe abstrakte Probleme zu lösen. Das Zusammenspiel von elektrischen Signalen und chemischen Prozessen löst bekannte Handlungen routinemäßig aus – aber woher kommt die Kreativität, neues zu entdecken und neue Lösungen zu finden?

Details über das Informationssystem der Nervenzellen und ihren Verbindungen sollte man unbedingt bei Interesse nachlesen. Bei dem Vortrag waren viele Details zu erfassen und zusammenzufügen – gleichzeitig Hören, Erfassen und Verstehen bedurften großer Konzentration.

Der Vorteil der künstlichen Intelligenz, also dem Computer, liegt in der Verarbeitung großer Datenmengen und schnellen Arbeitsergebnissen aufgrund programmierter Algorithmen, und kann somit – zumindest in der heutigen Zeit – nur als Helfer des menschlichen Gehirns gelten.

Wir wären nicht Frau und Kultur, wenn wir nicht auch in diesem Bereich auf außergewöhnliche Frauen aufmerksam machen würden:

Die Gräfin Ada Lovelace war 1843, also vor 180 Jahren, die erste Person, die einen für einen Computer gedachten Algorithmus niederschrieb (Berechnung von Bernoulli-Zahlen). Deshalb gilt sie als erste Programmiererin der Geschichte. (Quelle: Wikipedia)

Sie erkannte intuitiv das Potential von Algorithmen über die Anwendung in reinen Rechenmaschinen hinaus, verfügte so über die Vorstellung einer „Software“, für die aber die „Hardware“ zu ihrer Zeit noch nicht erfunden war.

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09.09.2021
Suzanne Bohn
George Sand

Obwohl aristokratischer Herkunft, wird Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil bei dem Kampf um die Demokratie in den ersten Reihen dabei sein und die Flagge der Gerechtigkeit, der Brüderlichkeit, vor allem aber der Freiheit kräftig mitschwenken. Es gelingt ihr unter dem männlichen Decknamen George Sand in die Geschichte als die Galionsfigur der weiblichen Emanzipation in Frankreich einzugehen.

Frau Bohn machte jedoch auch klar, dass diese Berühmtheit eigentlich anderen Frauen gehören sollte, die zeitgleich für die Befreiung der Frauen kämpften und diesen Kampf unter erheblich größeren Schwierigkeiten führen mussten, aber nahezu vergessen sind.

Berühmt-berüchtigt war sie, die geschiedene Mutter von zwei Kindern. Sie war eine aktive berufstätige Frau, allein erziehend, konnte sich und ihre Kinder von ihrer Feder ernähren. Sie war politisch engagiert, verwaltete umsichtig ihr Gut und Erbe, reiste viel und gern. Sie rauchte, trug Hosen, hatte eine Menge Liebhaber, die – bis auf eine Ausnahme – jünger waren als sie und meist etwas feminin und von schwacher Gesundheit. Sie bemutterte sie – oder sollte man sagen: sie dominierte und beherrschte sie?

Das galt auch für Frédéric Chopin, mit dem sie am längsten (neun Jahre) zusammen lebte. Es war ein schwieriges Verhältnis. Details hierzu finden Sie unter:

http://www.chopin-musik.com/chopin_und_george_sand.php

Wie immer war der Vortrag von Frau Bohn geprägt von Detailwissen und ihrer lebhaften und humorvollen Schilderung dieser außergewöhnlichen Frau.

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2.09.2021
Oda Peter
Rembrandt – ein Meister auf der Suche

Rembrandts Name ist eng mit dem Goldenen Zeitalter, der einzigartigen Blütezeit Hollands im 17. Jahrhundert, verbunden.

Er wurde der am meisten gefeierte Künstler der zur führenden See- und Handelsmacht aufstrebenden jungen Nation. Dennoch litt er unter finanziellen Problemen und ging 1656 in Konkurs.

Sein Gesamtwerk umfasst vor allem Porträts, Historienbilder, Gruppenbilder und Landschaften. Er fand immer wieder Motive, die bis dahin nicht künstlerisch bearbeitet worden waren oder suchte nach neuen Darstellungsmöglichkeiten traditioneller Themen.

Der geplante Besuch der Rembrandt-Ausstellung am 25. November 2021 ergänzt diesen Vortrag.

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26.08.2021
Tagesfahrt nach Kassel

Unsere letzte gemeinsame Tagesfahrt war am 27. Februar 2020 nach Wiesbaden. Nach 18 Monaten konnten wir es wagen, in verkleinertem Kreis zwei der vielen Kasseler Museen zu besuchen.

Der Besuch in der Grimmwelt und der Neuen Galerie war nur in getrennten Gruppen zu je 10 Damen mit Maske und Einlasskontrollen möglich. Beide Museen waren erstaunlich leer, obwohl in Hessen noch Sommerferien waren.

In der Grimmwelt ist jedoch gefühlt jeder Quadratzentimeter mit Dingen ausgefüllt, besonders in der Abteilung der Familiengeschichte der Grimms und der wissenschaftlichen Arbeit von Jakob und Wilhelm Grimm als Germanisten und Sprachforscher.

Welch hoffnungsloses Unterfangen, ein Wörterbuch der Deutschen Sprache mit den damaligen Mitteln zu erstellen! Tausende von Zetteln mit Belegstellen wurden den Brüdern von einer Vielzahl von Helfern zugeschickt und säuberlich katalogisiert. Natürlich alles handschriftlich, auch die umfangreiche Korrespondenz verschlang den Inhalt eines großen Tintenfasses, dass in der Ausstellung eine Ahnung davon gibt. Kein Wunder, dass es bei es den beiden Buchstaben A bis F blieb in all den Jahren.

Daneben gab es aber noch das Projekt der Sammlung mündlich überlieferter Volksmärchen:

Mehrfach überarbeitet, teilweise „verniedlicht“ und mit christlicher Moral unterfüttert entstanden so die Kinder- und Hausmärchen. Bei den mündlichen Quellen handelte es sich zumeist um junge Damen aus dem Kasseler Bürgertum. Diese waren oft hugenottischer Herkunft, was die Verbindung mit der französischen Erzähltradition erklärt. Jedenfalls waren sie keine alten Bauersfrauen, auch wenn dies heute viele glauben1), auch die berühmte Viehmännin war keine hessische Bauersfrau.

Nach der Mittagspause im Garten des „Falada“ mit Sonnenschein und einer herrlichen Aussicht ging es anschließend in die Neue Galerie, nur 5 Minuten entfernt, allerdings mit einigen Treppenstufen. Hier war mehr Raum für die Exponate und für die Besucher.

An der Schönen Aussicht mit Blick über die Karlsaue gelegen, vereint die Neue Galerie die staatlichen und städtischen Kunstsammlungen und präsentiert als Haus der Moderne Gemälde, Skulpturen und neue Medien von 1800 bis zur Gegenwart.

Der Fokus liegt aktuell auf der Malerei des 19. Jahrhunderts, Bildern und Objekten der 1950er bis 1980er Jahre sowie auf Kunstwerken der vergangenen documenta-Ausstellungen.2)

Auch hier fehlte die persönliche Verweilzeit im Museum. Die Busfahrt nach Kassel und zurück beträgt über 4 Stunden, dazu 2 Stunden für Mittagspause und corona-konformes Einchecken – da blieben nur 2 x 2 Stunden pro Museum für diesen 10-Stunden-Ausflug.

Es bleibt für die zukünftige Organisation weiter Fahrten eine Zwickmühle, sich entscheiden zu müssen zwischen einem Programmpunkt mit intensiver Beschäftigung oder zwei verschiedenen Themen, die dann als Anregung und erster Eindruck ausreichen müssen.

Schön war es auf jeden Fall, und Kassel bedankte sich für unseren Besuch damit, dass es erst zu regnen begann, als der Bus starten wollte.

Quellenangaben:
1)http://www.maerchenatlas.de/personen/maerchensammler/maerchen-der-brueder-grimm/

2)https://museum-kassel.de/de/museen-schloesser-parks/neue-galerie

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19.08.2021
Dr. Elke Therre-Staal
Das Bild der bösen Frau in den
Märchen der Gebrüder Grimm

In den 200 Kinder- und Hausmärchen, gesammelt und überarbeitet von den Gebrüdern Grimm, kommen 50 Hexen vor, eingerechnet drei männliche Hexenmeister als Ausbilder der Hexen. Die Grimms haben die Märchen mehrfach überarbeitet, sie „kindgerecht“ gemacht und Grausamkeiten und sexuelle Andeutungen gestrichen oder abgemildert.

In der Realität des Mittelalters wurde die Volkshexe mit den Attributen „alt, hässlich, böse“ beschrieben. Sie galt als dämonisch, arbeitete mit magischen Kräften hatte kein Problem damit, böse zu sein. Die Motive für ihr zerstörerisches Wirken, ihre Verfolgung sowie ihre Bestrafung durch die bekannten Foltermethoden bis hin zum Feuertod in „Hänsel und Gretel“ wurden aufgezeigt.

Der Vortrag von Frau Dr. Elke Therre-Staal beschäftigte sich mit den Quellen dieser Beurteilung. Als analytische und tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapeutin erklärte sie verdrängte Inhalte aus dem individuellen und dem kollektiven Unbewussten, also aus persönlichen Träumen und den Volksmärchen.

Eine weitere böse Frau in den Märchen ist die Stiefmutter, das Gegenbild der liebevollen, gütigen und sorgenden Mutter. Wegen der hohen Sterblichkeit im Kindbett war diese Konstellation Tochter/Stiefmutter sehr häufig. Deren Motive lagen in der Eifersucht: auf die Liebe des Vaters zu seiner Tochter, in der er das Abbild seiner verstorbenen geliebten Frau sehen konnte, auf die Schönheit und Jugend der Stieftochter. Über derartige Märchen, wie z.B. „Schneewittchen“ wurden Kinder durchaus dahingehend beeinflusst, in der zweiten Frau ihres Vaters per se eine böse Frau zu sehen.

Wilhelm Grimms Einstellung zu dem damaligen Rollenverständnis widersprechenden Frauen: sie sind hexenhaft und gefährlich. Dies zeigt sich in dem Traum von Wilhelm Grimm über Anette von Droste-Hülshoff.

Wer diesen Text und einiges mehr darüber erfahren will, dem empfiehlt es sich, auf folgender Internet-Seite zu stöbern:

https://www.esthergrau.de/?cat=1382&paged=4

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12.08.2021
Jutta Banken
Impressionen aus Mali

Unser Vereinsmitglied, Frau Jutta Banken, hat viele Reisen im In- und Ausland unternommen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Reise durch Mali mit dem „Rotel“, einem speziellen Bus, der den Reisenden Transportmittel, Restaurant und Hotelzimmer in einem bietet.

Auf diese Weise konnten auch Orte erreicht werden, die jenseits der Touristen-Hotspots liegen. Allerdings wurden die Reisenden aber auch gründlich durchgeschüttelt auf den holprigen Pisten. Frau Banken berichtete über überraschende, erfreuliche aber auch bedrückende Begegnungen mit der heimischen Bevölkerung.

Bakuna Matata – Es gibt keine Probleme: diese Antwort erhielt Sie häufiger, dabei hat Sie jede Menge Probleme gesehen: die Armut, die Schwerarbeit der Frauen, die hygienischen Zustände, die unerträgliche Hitze – alles kein Problem?

Hirsestampfen, Wäsche waschen, Reisig sammeln, Brotfladen backen … es stellte sich die Frage, was die Männer machen würden den lieben langen Tag. Sie waren im Alltag der Dörfer kaum zu sehen. Andererseits zeigte der Stamm der Dogon einen atemberaubenden Stelzentanz mit schweren Masken und die Männer tanzten sich über Stunden in Trance. Vielleicht war das ihr Beitrag zum Gemeinschaftsleben: die Götter oder die Ahnen zu besänftigen.

Die Reisenden konnten kaum widerstehen, traditionelle Masken und Kalebassen zu kaufen, die vermutlich in den entlegenen Dörfern selbst hergestellt wurden im Gegensatz zu den Industrieprodukten, die auf den Souvenir-Märkten in der Hauptstadt Bamako in Massen angeboten wurden.

Bei Ihrer Heimkehr war es fast ein Kultur-Schock: der saubere, kühle Frankfurter Flughafen mit allen erdenklichen Serviceleistungen war eine andere Welt.

Inzwischen ist der zentralafrikanische Staat ein Kriegs- und Krisengebiet, in dem sich die Lage der Bevölkerung noch einmal drastisch verschlechtert hat. Besonders Frauen waren und sind in Mali die Leidtragenden.

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05.08.2021
Ramona Thiede-Seyderhelm
Gold, Silber und Elfenbein in der Kunst 

Der Schwerpunkt des Vortrags der Kunsthistorikerin und Archäologin Ramona Thiede-Seyderhelm lag auf dem Material „Elfenbein“ und ausgewählten Kunstwerken aus der Sammlung Winter im Frankfurter Liebieghaus.

Elfenbein besteht aus Zähnen von Mammut, Nashorn und Elefant und war ein wertvoller und hochgeschätzter Werkstoff. Dieses Material erlaubt wie kein anderes Material mit seiner elastischen Konsistenz außergewöhnlich feine Schnitzereien in einem warmen Farbton. Mit seiner seidigen Glätte und makellosen Ausstrahlung erfüllte es die höchsten Ansprüche adeliger Sammler von virtuos gestalteten Kunstwerken für die Naturalienkabinette vor allem im Barock und Rokoko.

Erst in der starken Vergrößerung der Fotografien konnte man die vielen Details erkennen, da die aus einem Horn geschnitzten Skulpturen naturgemäß relativ klein sind. Verblüffend ist die phantastische Dreidimensionalität, die nur von wahren Meistern der Elfenbeinschnitzerei geschaffen werden konnten. Nicht jeder Künstler ist namentlich bekannt.

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29.07.2021
Prof.  Helmut Gebelein
Justus von Liebig
vom Schulabbrecher zum Professor

Die Gießener Universität trägt Liebigs Namen. Der schon mit 21 Jahren zum außerordentlichen Professor Ernannte wirkte dort 28 Jahre lang, bevor er 1852 nach München wechselte.

Was wie eine konsequente Erfolgsgeschichte anmutet, hatte jedoch auch in seiner Zeit erstaunliche Ungereimtheiten: er beendete seine Schulkarriere ohne Abschluss mit 14 Jahren, nannte als Berufswunsch Chemiker, begann eine Ausbildung in einer Apotheke und beendete sie nach einigen Monaten mit der Begründung, jetzt alles gelernt zu haben, was ein Apotheker bräuchte.

Mehrfach gab es Förderer, die seine Begabung erkannten und ihn unterstützten – mit Erfolg: Liebigs Erkenntnisse in Chemie, Ernährung und Landwirtschaft revolutionierten die Naturwissenschaft seiner Zeit.

Herr Professor Gebelein hatte „Knallerbsen“ mitgebracht – und zu unserer Freude auch vorgeführt, von denen schon der kleine Justus auf Jahrmärkten sehr beeindruckt war. Die angedachte Verköstigung von „Liebigs Fleischextrakt“ musste leider wegen der geltenden Hygieneregeln entfallen.

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22.07.2021
Prof. Peter Schubert
Leonardo da Vinci –
fragmentarischer Versuch zu seiner Malerei und Zeichnung

Leonardo da Vinci Leonardo, Michelangelo und Raffael sind die drei Genies, die die Hochrenaissance einleiteten, die Kunst revolutionierten und aus der Erstarrung des Mittelalters erlösten.

Prof. Peter Schubert beschränkte sich in seinem Vortrag über Leonardo da Vinci auf Malerei und Zeichnung Leonardos, weil seine Werkbiografie darin ihre Wurzeln hat. Beide künstlerische Betätigungen verstand er als von Augen und Hand bestimmte geistige, ja wissenschaftliche Tätigkeiten, die ihn zugleich befähigten, beobachtend, gestaltend und theoretisierend die Grenzen des rein Künstlerischen zu überschreiten und damit zugleich Kunst und sichtbare Welt als eine Einheit in Schönheit kenntlich zu machen.

Diese umfassende Sichtweise legte Herr Professor Schubert umfassend und in Abstimmung mit ausgewählten Arbeiten dar. Natürlich durfte die Mona Lisa nicht fehlen, aber mindestens genauso beeindruckend sind die Detailstudien, Skizzen und Zeichnungen.

Obwohl reiche Auftraggeber bedeutende Werke ermöglichten, konnte mancher große Plan nicht verwirklicht werden – aus wirtschaftlichen Gründen. Das riesige Reiterdenkmal wurde niemals gegossen, da Ludovico Sforza die dafür reservierte Bronze für Kanonen gegen die Franzosen benötigte.

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15.07.2021
Dietlind Stürz
Lotte Laserstein

Das Werk von Lotte Laserstein (1898 – 1993) der Berliner Jahre zwischen 1928 und 1937 wird gemeinhin der Neuen Sachlichkeit zugeordnet.

Doch bei Lotte Lasersteins Bildern gibt es wenig Gesellschaftskritik, keine bissigen Kommentare zum aktuellen Geschehen auf den Straßen der Großstadt wie bei Otto Dix oder George Grosz. Vielmehr wendet sich die Künstlerin dem Bild der „Neuen Frau“ zu und zeigt diese selbstbewusst im gesellschaftlichen Wandel eines neuen Frauen-Rollenverständnisses.

Ihre Selbstportraits zeigen sie mehrfach mit ihrer Freundin Traute Rose als Model, außergewöhnlich und skandalös war vor allem das Aktbild im Stil der „schlafenden Venus“. Ungewöhnlich war auch der Hintergrund vieler Bilder: ein Blick aus dem Atelierfenster auf ein detailreiches Stadtbild. In Anbetracht der meist kleinen Formate ihrer Bilder war dies besonders beeindruckend.

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08.07.2021
Sommerliches Beisammensein auf dem Schiffenberg

Nicht ganz so sommerlich wie angekündigt war unser diesjähriges Treffen. Das Wetter hat es gerade noch so einigermaßen möglich gemacht, dass wir im Innenhof des Kloster Schiffenberg zu Kaffee und Kuchen nach der langen Zeit wieder zu lockeren Gesprächen zusammenfinden konnten.

Vielleicht war es aufgrund der Unwetterwarnungen und der vorhandenen Corona-Bedrohung bei nur 18 Teilnehmerinnen geblieben. Das große Unwetter blieb aus, als die ersten Regentropfen fielen war der Kuchen schon fast aufgegessen und wir konnten den zweiten Programmpunkt angehen:

Frau Bock hatte sich vorbereitet und uns in der nur für uns geöffneten Basilika wesentliche Informationen über das Gebäude und seine Geschichte gegeben. Den Weg zum Auto mussten wir allerdings im strömenden Regen zurücklegen.

Einhellige Meinung: Es war schön und man müsste noch einmal zu einer öffentlichen Führung mit Herrn Meilinger zusammen kommen. Das können wir gerne machen, aber für das Wetter kann ich nicht garantieren!

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01.07.2021
Ulrike Kuschel
Max Ernst und seine Frauen

Max Ernst hatte eine Vielzahl von Beziehungen zu mehreren eigenständigen Frauen. Im Mittelpunkt des Vortrags stand aber nicht der Künstler Max Ernst sondern die vorgestellten Frauen. Alle gehören den Avantgarde-Bewegungen von Dada und Surrealismus an – starke Frauen, die nicht verschiedener sein könnten.

Max Ernst war mit vier seiner Lebensgefährtinnen verheiratet – zusätzlich führte er mehrere „wilde Ehen“ und kurze Affären. 

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